Falkensee

Werkzeugkasten: Möglichkeiten der Stadtplanung

FÜHRUNGSFORMEN

Übersicht der Führungsformen (Quelle: stadtraum)

Geschützter Radfahrstreifen (GRS)

Geschützte Radfahrstreifen befinden sich direkt auf der Fahrbahn und nehmen oft die Breite einer ganzen Kfz-Spur ein. Sie sind durch Trenn-Elemente wie Baken, Poller oder Blumenkübel, die auf markierten Streifen stehen, von den Fahr- und Parkspuren der Kraftfahrzeuge klar getrennt. Dadurch können Kraftfahrzeuge die GRS nicht befahren oder auf ihnen halten. Gleichzeitig bleibt so der Sicherheitsabstand zu Radfahrenden zu jeder Zeit gewahrt. Die oft auch farblich markierten geschützten Radfahrstreifen sind durch die Bordsteinkante vom Gehweg getrennt. Sie bieten einen geschützten, sicheren und komfortablen Raum für den Radverkehr.

Radfahrstreifen

Radfahrstreifen sind durch eine breite, durchgezogene Linie vom KFZ-Verkehr abgetrennt und für Radfahrende benutzungspflichtig. Idealerweise werden sie farblich hervorgehoben und sind mit Fahrradpiktogrammen versehen. Sie dürfen, außer an Ein- und Ausfahrten sowie Kreuzungen, nicht von Kraftfahrzeugen überfahren werden. Parken oder Halten ist auf den Radfahrstreifen verboten. Zwischen ruhendem Verkehr (Parken) und dem Radfahrstreifen ist ein Sicherheitsabstand vorgesehen. Vom Gehweg sind sie durch die Bordsteinkante getrennt. Radfahrende fahren hier im Sichtfeld des Kfz-Verkehrs und sind damit gut sichtbar, insbesondere an Kreuzungen oder Zufahrten.

Schutzstreifen

Schutzstreifen sind Teil der Fahrbahn und durch eine unterbrochene Linie von den Fahrstreifen für Kfz-Verkehr abgetrennt und durch Fahrradpiktogramme gekennzeichnet. Auf Schutzstreifen darf nach der jüngsten StVO-Novelle nicht gehalten werden. Radfahrende fahren hier im Sichtfeld des Kfz-Verkehrs und sind damit gut sichtbar, insbesondere an Kreuzungen oder Zufahrten. Das Überfahren oder Halten ist bei Bedarf zulässig, solange Radfahrende dabei nicht gefährdet werden. Zwischen ruhendem Verkehr (Parken) und dem Schutzstreifen ist ein Sicherheitsabstand vorgesehen. Schutzstreifen sind auch für stark befahrene Straßen geeignet, sofern es kein hohes Lkw-Aufkommen gibt.

Fahrradstraße - Grundsätzliches

Fahrradstraßen (Zeichen 244.1 StVO) sind dort denkbar, wo der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies in absehbarer Zukunft zu erwarten ist. Fahrradstraßen sind dem Radverkehr vorbehalten, daher ist grundsätzlich straßenrechtlich eine Teilentwidmung dieser Straßen zu prüfen.
Auf Fahrradstraßen ist das Nebeneinanderfahren für Radfahrende immer erlaubt, und es gilt für alle Fahrzeuge eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Auf Fahrradstraßen sind E-Scooter grundsätzlich zugelassen. Das Kreuzen von Fahrradstraßen ist allen Fahrzeugarten gestattet.
Die Fahrradstraße sollte mindestens eine Breite von 4,00m aufweisen. Hinzukommen gegebenenfalls beidseitig Sicherheitsabstände zu parkenden Fahrzeugen.

Die konkrete Beschilderung der Fahrradstraße, insbesondere an Kreuzungen und Einmündungen, muss im Einzelfall von der unteren Straßenverkehrsbehörde festgelegt werden. Anzustreben ist im Sinne der Radverkehrsförderung eine durchgehende Vorfahrt.
Als wichtige Verbindungen des Radverkehrs erfüllen Fahrradstraßen eine Bündelungsfunktion und gewährleisten bei gleichmäßigem Verkehrsfluss eine hohe Reisegeschwindigkeit und Sicherheit.
Durch Fahrradstraßen kann eine erhöhte Kfz-Belastung auf parallelen Straßen entstehen, vor allem um Ziele außerhalb der Fahrradstraße zu erreichen, zu denen der günstigste Weg bislang über die neue Fahrradstraße geführt hat. Die parallelen Straßen müssen daher daraufhin geprüft werden, ob vor Einrichtung der Fahrradstraße eine Ertüchtigung erforderlich ist (z. B. neue Asphaltdecke).

Fahrradstraße mit Anliegernutzung

Fahrradstraßen sind dem Radverkehr vorbehalten (siehe Fahrradstraße), können aber bei Ausschilderung mit dem Zusatz „Anlieger frei“ von den betreffenden Kfz mitgenutzt werden. So wird die vollwertige Andienung der Grundstücke auch bei einer straßenrechtlichen Teil-Entwidmung gewährleistet.
Der Radverkehr behält dabei den Vorrang, er darf weder gefährdet noch behindert werden, Kfz-Verkehr muss entsprechend langsam fahren. Dadurch ist die Fahrradstraße selbst dann ein Instrument zum Schutz der Radfahrenden und zur Förderung des Radverkehrs, wenn der Anliegerverkehr erheblich ist.
Als Anlieger gelten diejenigen, deren Fahrtzweck in der betreffenden Straße mit einem an dieser Straße gelegenen Grundstück in Beziehung steht (als Anwohnende, Besuch, Kundschaft, zum Liefern usw.). Ein Befahren einer solchen Straße mit Kfz beispielsweise zum Zweck des Abkürzens oder Suchens einer Parkmöglichkeit ist untersagt.

Fahrradzone

Die Fahrradzone wurde erstmalig in der StVO-Novelle 2020 eingeführt (Zeichen 244.3). Dabei werden die Regelungen einer Fahrradstraße auf eine Zone übertragen, es gilt jedoch grundsätzlich die Vorfahrtregel „rechts vor links“.
Es liegt noch keine Verwaltungsvorschrift vor, die die konkreten Bedingungen für die Anwendung dieses Verkehrszeichens regelt.

Mischverkehr (ohne Radverkehrsanlage)

Die Führung im Mischverkehr ist die oft anzutreffende Standardsituation, wenn keine Radverkehrsanlagen vorzufinden sind, wie es häufig in Falkensee der Fall ist. Geeignet dafür sind vor allem Straßen mit geringen Höchstgeschwindigkeiten und nur wenig Kfz-Verkehr.

Baulicher Radweg

Baulich angelegte Radwege sind von der Fahrbahn baulich separiert, d. h. von dieser beispielsweise mit Bordstein oder durch einen Grünstreifen abgetrennt. Sie sind ebenfalls vom Gehweg abgetrennt, dies kann durch die Wahl eines anderen Belags als der Gehweg oder mit Hilfe eines Markierungsstrichs erfolgen. Es empfiehlt sich, baulich angelegte Radwege im gesamten Ort in einheitlicher Gestaltung anzulegen. Sind baulich angelegte Radwege vorhanden, so müssen diese nur dann benutzt werden, wenn sie mit Zeichen 237 oder 241 StVO beschildert sind („blaues Schild mit Radsinnbild bzw. Sinnbilder für Rad- und Fußverkehr nebeneinander“). Ist dieses Zeichen nicht vorhanden, können die Radfahrenden zwischen Radweg- und Fahrbahnnutzung wählen.

Gemeinsamer Geh- und Radweg

Es besteht auch die Möglichkeit einer gemeinsamen Führung des Radverkehrs mit dem Fußgängerverkehr. Hier gibt es keine Trennung der Flächen. Wenn bei dieser Führung die Nutzung durch den Radverkehr verpflichtend ist (Beschilderung mit Zeichen 240 StVO – „Rad- über Fußverkehrssinnbild“), sollte dies eine Ausnahme sein.

Gehweg Rad frei

Wird ein Gehweg mit dem Zeichen 239 StVO („blaues Schild mit Fußverkehrssinnbild“) sowie dem Zusatzzeichen „Rad frei“ beschildert, darf der Radverkehr den Gehweg rücksichtsvoll mitbenutzen und darf zu Fuß Gehende keinesfalls behindern oder gefährden. Auch hier kann der Radverkehr den Gehweg benutzen, muss es aber nicht.

Selbständig geführte Radwege

Selbstständig geführte Radwege sind baulich angelegte Sonderwege, die nicht an den Verlauf einer Straße gebunden sind. Sie können auch als gemeinsame Geh- und Radwege ausgewiesen werden oder baulich getrennte Flächen für den Fuß- bzw. Radverkehr vorsehen.

NETZ

Netzkategorien

Das Netzkonzept für die Stadt Falkensee sieht ein flächenhaftes Netz von Radrouten vor. Dieses wird in zwei Qualitätsstufen organisiert: Hauptrouten und Nebenrouten. Beide Typen sollen für sichere und auch weniger sichere Radfahrende geeignet sein. Darüber hinaus ist natürlich das gesamte Straßennetz auch für den Radverkehr den Radverkehr vorgesehen, nicht nur die hier definierten Routen. Maßnahmen werden hier jedoch nur im Netz der Radrouten vorgeschlagen.

Hauptrouten

Hauptrouten haben als wesentliche Funktion, Radfahrenden zügig befahrbare Verbindungen zu ermöglichen. Aus diesem Grunde kommt eine gemeinsame Führung mit dem Fußverkehr (gemeinsamer Geh- und Radweg) hier grundsätzlich nicht in Frage. Für weniger sichere Radfahrende soll eine Führung auf Radverkehrsanlagen (kein Mischverkehr mit Kfz) zumindest als Option vorhanden sein. Hauptrouten sollen von annähernd jedem Punkt im Siedlungsgebiet aus innerhalb eines Kilometers (Luftlinie) erreicht werden.

Nebenrouten

Nebenrouten sollen für Radfahrende gut befahrbar sein, jedoch wird das Augenmerk weniger stark auf das zügige Fahren gelegt als bei den Hauptrouten. Das Nebenroutennetz ist dafür deutlich engmaschiger als das Hauptroutennetz: Der Weg bis zum Erreichen einer Nebenroute beträgt in der Regel nicht mehr als etwa 200 m (Luftlinie). Diese Entfernung muss gegebenenfalls im übrigen Straßennetz zurückgelegt werden, eventuell auch über nicht optimale Fahrbahndecken.

Radverkehrsanlagen nach VEP

Am 25. April 2018 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die zweite Novellierung des Verkehrsentwicklungsplanes (VEP). Darin enthalten war auch eine neue Klassifizierung des übergeordneten Straßennetzes. Darin wurde festgeschrieben, dass an allen Hauptverkehrs- und Hauptsammelstraßen Radverkehrsanlagen zur sicheren Führung des Radverkehrs herzustellen sind. Die betroffenen Straßenzüge wurden in den Maßnahmenkatalog aufgenommen, auch wenn diese nicht immer im Netzkonzept als Haupt- oder Nebenroute enthalten sind.

RAHMENBEDINUGUNGEN / GRENZEN

Handlungsspielraum im Straßenraum

Bei der Planung von Radinfrastruktur sind immer auch räumliche Grenzen und Zwangspunkte zu beachten und abzuwägen. Dazu gehören in insbesondere Flurstückgrenzen, Gebäude und Zufahrten, Baumbestand, Breite von Fahrbahn bzw. Seitenräumen, Straßenbelag und der Parkraum. Punktueller Grunderwerb ist in Ausnahmefällen in Betracht zu ziehen. Dabei sind die Belange der sicheren oder zügigen Radverkehrsführung gegen z.B. die des Naturschutzes, Parkwunschs oder Grundbesitz abzuwägen. Diese Abwägung und Entscheidung ist immer Teil der politischen und öffentlichen Diskussion und bei der Planung der konkreten Maßnahme zu führen.

Fahrbahnbelag

Manche Straßen und Wege in Falkensee weisen eine Fahrbahndecke auf, die sich nicht oder nur schlecht zur Führung des Radverkehrs eignet. Daher sehen viele Maßnahmen die Verbesserung des Fahrbahnbelags vor. Für den Radverkehr optimal ist eine Asphaltdecke oder eine ebene und eng engverfugte Fläche aus z.B. Betonverbundsteinen. In Waldgebieten dürfen keine „waldfremden“ Materialien verwendet werden, daher müssen dort wassergebundene Decken genutzt werden. Führen Radrouten durch Waldgebiete, erfordert es somit dort besonderer Pflege der wassergebundenen Decken.

Benutzungspflicht

Sind baulich angelegt Radwege mit dem Zeichen 237 bzw. 241 oder auch 240 StVO beschildert („blaues Schild mit Radsinnbild bzw. Sinnbilder für Rad- und Fußverkehr“), so müssen diese durch die Radfahrer*innen genutzt werden. Im Umkehrschluss besteht dort, wo kein solches Schild vorhanden ist, Wahlfreiheit für den Radverkehr. Das heißt, Radfahrende können z. B. zwischen einem baulichen Radweg ohne Benutzungspflicht (kein Schild) und der Fahrbahn frei wählen.

ZUSTÄNDIGKEITEN

Verkehrszeichen und Markierungen

Welche Verkehrszeichen und Markierungen angeordnet werden, entscheidet die Untere Straßenverkehrsbehörde (USVB), welche beim Landkreis angesiedelt ist. Die Stadt Falkensee hat die Möglichkeit, Anträge auf Anordnung zu stellen, welche durch die USVB geprüft werden.

Überwachung

Grundsätzlich werden Verstöße im Straßenverkehr durch die Polizei geahndet. Die Ahndung von Falschparkern wird aber in der Regel durch das Ordnungsamt übernommen.

Schnee- und Laubbeseitigung

Für den Winterdienst und die Laubbeseitigung im öffentlichen Straßenraum ist die Stadt Falkensee zuständig. Im Radverkehrsnetz sollen alle Radhauptrouten mit Priorität geräumt werden.

Bauliche Unterhaltung

Für die Bauliche Unterhaltung aller Landesstraßen ist der Landesbetrieb Straßenwesen des Landes Brandenburg zuständig (L20, L201). Für kommunale Straßen ist die Stadt Falkensee zuständig.